War of Power - Die 5 Mächte

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 Das Treffen mit der Eiskönigin - 30. 05.

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Morgain Lilliyan McEntire

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BeitragThema: Das Treffen mit der Eiskönigin - 30. 05.    Sa März 12, 2016 2:39 am

30. 05. P.I.
Nachmittag
Personen: Königin
Maddison Lupinthor & Morgain McEntire

Morgain wollte stets ein Abenteuer erleben. Schon als kleines Kind hatte sie an der Küste gestanden und über das weite Meer hinaus geblickt. Jetzt verfluchte sie sich für diesen Wunsch. Nie hätte sie geglaubt, dass ihre über alles geliebte Schwester dafür büßen müsste. Dieses Abenteuer hatte in ihrer Fantasie überhaupt anders ausgesehen. Sie segelte in dieser immer selbst über die Meere. Sie war es, die den Männern Befehle zurief, wie: ,,Land in Sicht!‘‘ Doch wann kam es schon so, wie man es wollte. Morgain wurde zwischen zwei Soldaten von Bord gezerrt, unfähig selbst auf den Beinen zu stehen. Ihr Kopf pochte wie verrückt und das gefühlsmäßig schon seit mehreren Monaten. Das dunkelhaarige Mädchen dachte schmerzlich an die Ursache ihrer Verletzung zurück. Es war in der Nacht gewesen, als die Glocken im höchsten Turm Glorienhalls geläutet hatten und die gesamte Burg in Aufruhr gewesen war. Man hatte den König von Grandorien ermordet, während er schlief, so viel hatte Morgain zumindest mitbekommen. Lord Calvin hatte veranlasst, dass alle Mitglieder des Hauses McEntire noch in dieser Nacht abreisen würden. Ihm war höchst wahrscheinlich nicht in den Sinn gekommen, dass es sehr auffällig sein würde wenn sie noch vor der offiziellen Ankündigung spurlos verschwinden würden, oder alleine die Gefahren, die dieser spontane Aufbruch, in einer Nacht voller Verbrechen, barg. An all das hatte der zukünftige Herrscher Port Paravels nicht gedacht. Oh er würde das Land in den Abgrund stürzen. Seit seiner Ernennung zum Erben, war es ein totgeweihtes Reich. Morgain war die ganze Zeit über bei ihrer Schwester geblieben, nicht wie die Wachen, die ihre Schützlinge verloren hatten. Ihr Schwert hatte sie in der linken Hand gehalten und umher geblickt. Doch es hatte nichts gebracht. Unentdeckt waren sie bis zum Hafen gelangt und plötzlich waren sie da gewesen. Eine Meute von Piraten. Mit allem hatte Morgain gerechnet, nur nicht mit diesen räudigen Männern, die die Meere so unsicher machten. Sie hatten die Mädchen umringt und lachten in diesem rauen, brutalen Ton. Sie waren völlig chancenlos gewesen. Der Kampf hatte nicht lange gedauert, da war das Mädchen mit den blitzblauen Augen auch schon zu Boden gegangen. Einer der Piraten, sein narbiges Gesicht hatte sie noch genau vor Augen, hatte ihr das Schwert aus den Händen gerissen und dann hatte sie nur noch einen dumpfen Schlag am Hinterkopf in Erinnerung. Danach sah sie nichts als Schwarz. Das nächste an was sie sich erinnern konnte, war das Antlitz von Soldaten, mit dem Banner der Lupinthors an der Brust, die sie unsanft geweckt und unruhig auf sie eingeredet hatten. Morgain, unfähig ganze Sätze von sich zu geben, hatte lediglich den Namen ihrer Schwester gemurmelt. Wäre sie noch dort gewesen, hätte man nicht Morgain, den Bastard des Herzogs von Port Paravel, sondern ihre Schwester mitgenommen. Dank einer Verwechslung, hatte man Morgain jedoch nicht in das Meer geschmissen, um sie zum Schweigen zu bringen, sondern auf ihr Boot befördert. Direkt unter das Deck, gleich neben den etlichen Fässern Rum und Wein, die von fetten Ratten umrundet wurden. Die Soldaten von Lupithoran hatten angenommen, sie hätten die Erbin Port Paravels in die Finger bekommen. Wäre Morgain zum Lachen zumute, so hätte sie diese Situation wahrlich amüsant gefunden. Diese Soldaten dachten, sie würde Ruhm und Ehre in ihrer Heimat erwarten und in Wahrheit hätten sie der Königin genauso gut einen Sack voll Stroh vor die Füße werfen können. Mehr Wert sah Morgain nicht in sich. Sie war ihrem Vater doch völlig gleichgültig. Niemals würde er für sie in den Krieg ziehen. Zugegebenermaßen wäre es auch außerordentlich irrsinnig von ihm. Bei Enid würde das Ganze schon anders aussehen. Es war tiefgreifender, wenn man die Erbin eines Landes entführte. Es verletzte mehr, denn es war von Bedeutung. Bei der Zofe dieser Erbin sah es jedoch ganz anders aus. Morgain mochte zwar etwas am Kopf getroffen haben, doch denken konnte sie noch, oder zumindest wieder, denn die meiste Zeit hatte sie auf diesem Schiff ohne Bewusstsein verbracht. Was wirklich eine Schande war, da sie sehr gerne segelte und immer schon mehr von dieser Welt, als das Schloss und die Gärten drumherum sehen wollte. Aus Büchern wusste Morgain, dass Lupithoran aus vielen kleineren und größeren Inseln bestand. Ihr Hauptquartier, die eisige Burg der Königin, befand sich auf einer eigenen Insel. Liebend gerne hätte Morgain diese Schneise dorthin betrachtet. Die eisige Landschaft, so gefährlich und doch wunderschön. Das Gleiche sagte man von der Königin selbst. So musste sie wohl sein, denn sonst könnte ihr Volk nicht so leben. Dominiert von Frauen. Eine Gesellschaft mit starken Frauen und unterdrückten Männern. Für Morgain war dies kaum vorstellbar und doch hatte sie es immer schon faszinierend gefunden. In der Bibliothek des Schlosses der McEntire hatte es Bücher über dieses Reich gegeben, die sie alle verschlungen hatte. Schon allein die Entstehungsgeschichte dieses Reich ist so spannend wie kaum andere Geschichten. Frauen, die es geschafft haben, sich von den eisernen Klauen, des Männerdominierten Landes, namens Grandorien zu befreien, die es sogar geschafft hatten, nach so einer langen Suche, ihr eigenes Land zu finden, das umringt von Kälte war.
Nun war der Tag angebrochen, an dem sie zum ersten Mal den Boden dieses faszinierenden Landes betreten würde und das als Gefangene. So wenig gastfreundlich wie sie mit ihr, getarnt als Enid umgegangen waren, wollte sie wirklich nicht wissen, wie es ihr als sie selbst ergangen wäre. Man sagte der Königin nach, sie sei Intelligent und wäre deshalb noch nicht von anderen Mächten überrannt worden. Das ließ Morgain daran zweifeln, dass ihre Tarnung nicht auffliegen würde. Zumal sie sich nicht sicher war, ob die Königin, Lady Enid nicht schon einmal zu Gesicht bekommen hatte. Denn sie selbst wüsste nichts von einem Besuch der Eiskönigin, in Port Paravel und in Lupithoran war Enid bestimmt noch nicht gewesen. Unter Umständen würde sich die Königin nicht wirklich für die falsche Enid interessieren, da sie gerade genug um die Ohren hatte. Sie musste sich auf einen Krieg gegen Grandorien vorbereiten. Ein so gewaltiges Land, das bestimmt ein doppelt so großes Heer hatte, als sie selbst. Jedoch bezweifelte Morgain dies, denn immerhin wäre Enid ein Druckmittel. Sie wünschte sich an dieser Stelle einmal mehr, wirklich ihre Schwester zu sein.
Viele undefinierbare Schemen glitten an dem Mädchen vorbei. Ihr Kopf hing nach unten, zu schwach um ihn zu erheben. Ihre Füße wurden am Boden immer weiter geschliffen. Morgain fühlte sich bereits jetzt schon so, als würde man sie zur Ausführung ihrer Todesstrafe geleiten. Denn was sie noch gelesen hatte, war die Tatsache, dass die Lupinthors unbarmherzig waren.
Dem Mädchen war es zuwider, dass sie nicht auf ihren beiden Beinen laufen konnte. Sie wirkte wie ein schwaches Nichts. Ungewaschen seit Wochen. Wenn sie sich nicht irrte, so hatten ihr Cousin und ihre Cousine, so wie die Tochter der Königin, zwei Wochen gebraucht, um wieder nach Hause zu segeln. Zumindest nahm Morgain an, dass sie sich jetzt in Lupithoran befand. Viel hatte sie ja noch nicht gesehen. Nicht mehr als den Boden, der immer wieder zu flackern begann, da es keiner dieser Soldaten für nötig gehalten hatte, ihre Wunde zu verarzten. Womöglich kannte dieses Volk so etwas nicht. Wer verletzt war, sollte selbst sehen was aus ihm wurde. Entweder die Götter waren gnädig und ließen die Wunde von selbst verheilen, oder man verendete, mit einer entzündeten Wunde, voller Schmutz. Bisher war das Bild dieses Volkes, das sich Morgain zusammen gereimt hatte, nicht sehr positiv. Würde sie Enid eines Tages wieder sehen, hätte sie bestimmt nicht viel Gutes zu erzählen. Jedoch glaubte Morgain schon nicht mehr daran. Wer weiß wie es ihrer Schwester ging. Bestimmt nicht viel besser. Hoffentlich war sie überhaupt noch am Leben. Enid aber, war eine kluge Frau, sie würde schon auf sich auspassen können, das redete sich Morgain zumindest ein.
Plötzlich hörte der Boden auf sich zu bewegen und die Wachen ließen abrupt die dünnen Arme des Mädchens los. Völlig unvorbereitet kam ihr der besagte Boden immer näher und Morgain landete mit den Knien auf diesem und flog vorne über. Hier hatte dieses höchst unerwartete und verzichtbare Abenteuer womöglich ein Ende, oder erst den Anfang gefunden.
,,Lady Enid, aus dem Hause McEntire, meine Königin.‘‘ sprach eine weibliche Stimme, laut und fest. Morgain hätte wahrlich gelacht, wäre der richtige Zeitpunkt dafür gewesen, oder hätte sie die Kraft dafür besessen.
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Maddison Lupinthor

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BeitragThema: Re: Das Treffen mit der Eiskönigin - 30. 05.    Mo März 28, 2016 12:23 am

Das rege Treiben im Schloss wollte nicht aufhören. Es würde nicht aufhören. Nicht in nächster Zeit. Dienstboten versuchten so unsichtbar wie möglich zu sein. Wachen standen aufmerksamer als an anderen Tagen und Boten überbrachten viel zu viele Briefe. Warum es viel zu viele waren? Weil in den meisten von ihnen zu schlechte Nachrichten standen. Wie konnte das nur passieren? Ein offener Krieg gegen Grandorien! Das war ungefähr das schlimmste was ihrer Nation passieren konnte. Darauf war sie nicht vorbereitet gewesen. Nicht, wenn ihr Plan so gut funktioniert hatte. Maurine und Felicius waren verheiratet. Dieser Nachricht hatte sie per Briefeule erhalten. Sie hatte sich gefreut diese Nachricht zu erhalten. Endlich war es möglich Grandorien aus dem inneren heraus auszuspionieren und es dann schließlich ausschalten zu können, oder zumindest ihnen ihren Reichtum nehmen zu können. Aber was kam dann, nur viel zu kurze Zeit darauf? Diese Meldung das ihr lieber oder doch nicht so lieber Sohn Valentine auf der Hochzeitsfeier, mehr oder minder betrunken, einen Delegierten des Landes Elyrien belästigt hatte. Schlimm genug war das schon gewesen. Er hatte das Ansehen von Lupithoran geschändet. Was hatte sie sich dabei gedacht, als sie ihn geschickt hatte. Maddison hätte doch Svetlana auf diese Reise senden sollen. Sie hätte sich benommen und dann wäre das niemals passiert. Aber nein, das war noch nicht einmal alles. Wenige Stunden darauf erhielt sie die nächste Meldung.

Maddison saß auf ihren Thron und blickte auf den nächsten Bittsteller herab. Es war ein Wollhändler welcher bei einem Feuer einen Großteil seiner Ware verloren hatte. Nun bat er Maddison um Geld, damit er und seine Frau nicht Haus und Hof verloren. Wie jämmerlich. Wahrscheinlich war der Mann Schuld daran gewesen. Männer waren auch zu nicht zu nutze. Zu gar nichts. Und wenn man ihnen einmal vertraute zerstörten sie alles. „Wie viel hätten sie an ihrer verlorenen Waren verdient?“, fragte sie mit gleichgültiger Stimme. Der Mann schien etwas verunsichert und schien nachzurechnen ehe er eine Zahl nannte, welche für Maddison annehmbar klang. Die ganze Summe würde er allerdings nicht erhalten. Die Krone konnte sich auch nicht alles leisten oder eher gesagt, es gab wichtigere Investitionen. An Wollhändlern mangelte es Lupithoran wirklich nicht. „Ihrer Frau und ihnen wird die Hälfte dieser Summer erstattet. Ich hoffe es hilft ihnen wieder auf die Beine zu kommen.“ Dies wiederum sagte sie bestimmt. Sie würde keine Widerrede dulden. Nicht das sowas jemals geschah. Man wiedersprach der Königin einfach nicht. Vor allem nicht ihr. Der Bittstellen verlies den Thronsaal und Mddison winkte der Wache, dass diese die nächste Gruppe Bedürftiger rein schicken konnte. Das passierte allerding nicht. Stattdessen erkannte sie eine hauseigene Botin welche durch die Tür gerannt kam und sich so höflich wie in ihrer Hast möglich dem Thron näherte. Die Königin winkte der Wache die Tür zu schließen und widmete sich dann der Meldung. „Was gibt es?“, fragte sie. Das Gesicht von ihr wirkte gestresst. Irgendetwas konnte nicht stimmen. Die Botin holte kurz Luft und blickte dann zu ihrer Königin auf „Eure Majestät, König Matyr wurde in der Nacht der Hochzeit von ihrer Tochter und dem 2. Thronerben ermordet. Euer Sohn Valentine war am nächsten Morgen verschwunden. Man hat seinen Ring in den Gemächern des toten Königs gefunden. Ein königlicher Bote wird in wenigen Tagen hier eintreffen mit einer schriftlichen Kriegserklärung des neuen König Ethans sollte nicht eine glaubwürdige Erklärung für Valentine gefunden werden.“ Mit jedem Wort das sie hörte wurde Maddisons Gesicht ungläubiger. Der alte König war tot. Valentine wurde des Mordes beschuldigt. Sie wusste in dem Moment nicht viel, außer, dass sie unglaublich wütend war. So wütend, dass sie kurzzeitig ihr Gesicht verlor und mit einem Schrie aufstand und vor ihrem Thron hin und her lief. Wie konnte man das richten? Konnte man es richten? Sollte man? Natürlich sollte man, Lupithoran allein konnte ein einem offenen Krieg gegen Grandorien wahrscheinlich nicht gewinnen. Sie könnten eine Menge Schaden anrichten, aber das Land war noch nicht stark genug um wirklich gewinnen zu können. „Wie konnte das passieren?“, blaffte sie die Botin an oder vielleicht die Wache? Nein, eigentlich blaffte sie niemanden direkt an. Eher sich selbst, dafür das sie so dumm gewesen war und gedacht hatte, da es um Maurines Sicherheit ging, das sich ihr unnützer Sohn benehmen würde. Aber was machte dieser? Er ging und zettelt einen Krieg an, welchem ihre ganze Nation zum Opfer fallen würde. Und wenn König Ethan auch schon eine Kriegserklärung aufgesetzt hatte, schien es wohl schon beschlossene Sache zu sein. Verdammt. „Du, hol meine Tochter aus ihren Gemächern.“, sie zeigte auf einen Wächter und ihre Stimme lies die Braunhaarige in der Rüstung sofort agieren. „Bringt mit Feder und Pergament.“ Die einzige Chance die sie noch hatte, war sich in der Zeit die der Bote zum Schloss brauchte so gut es geht auf einen Krieg vorzubereiten. Und sie wollte gewinnen, aber dafür brauchte sie verbündete. Belugaria würde sich nicht einmischen, das war nicht ihre Art, Port Paravel war durch die jetzt gekrönte Kjellra zu dicht mit Grandorien verbunden. Das was übrig blieb war die Kämpfernation Elyrien. Die, welche Valentine öffentlich beleidigt hatte. Die Wahrscheinlichkeit das sie einem Bündnis zustimmen würden war gering, aber Maddison spielte auf den Hass den diese Nation auf Grandorien hegte. Also schrieb sie einen Brief und schickte diesen ab und das grausame Spiel des Krieges begann.


Die Vorbereitungen waren nun im vollen Gange und das war auch gut so, denn die Zeit lief aus. Das grandorische Schiff wurde schon auf dem Meer gesichtet auf den Weg in den Hafen. Bevor sie sich allerdings um diesen kümmern würde, gab es noch eine andere Angelegenheit um die sie sich kümmern musste. Am Morgen war ein anderes Schiff in den Hafen eingelaufen, welches bei der Hochzeit anwesend war. Diese hatten jedoch jemanden bei sich von dem sie behaupteten es wäre Enid McEntire. Das wäre natürlich mehr als nur ein Volltreffer. Die Nichte von Königin Kjellra in ihren Fingern zu haben konnte sich nur als Vorteil herausstellen. Vielleicht könnte sie so dafür sorgen, dass sich Port Paravel aus dem Krieg raushielt. Jetzt war aber erst einmal die Frage in wie weit es sich wirklich um die Tochter des Fürsten handelte. Maddison kannte eine Beschreibung von ihr, aber selbst gesehen hatte sie sich noch nie. Es gab aber doch für jedes Problem eine Lösung.
Also wartete sie in ihrem Thronsaal, welcher durch Fackeln hell erleuchtet wurde. Ihre Kleidung war in den Farben Lupithorans gehalten und in ihren geflochtenen Haaren saß ihre Krone auf ihrem Haupt. Ihre Arme drapierte sie über die Armlehnen des Thrones und ihr Rücken war gerade aufgerichtet. Sie strahlte Eleganz aus aber in der gleichen Sekunde sprach ihr Gesicht, dass man sich genauso vor ihr fürchten musste wie man sie bewunderte. Sie gab der Wache ein Zeichen, dass sie die Fürstentochter und ihre Ergreifer herein lassen konnte und prompt wurde auch die Tür geöffnet. Herein kamen 2 Soldaten welche ein Haufen Elend zwischen sich trugen und diesen in der Mitte des Thronsaales losließen. Das Mädchen viel auf ihre Knie und konnte sich nicht so recht halten. Die Wunde an ihrem Kopf konnte vielleicht etwas damit zu tun haben. Das Blut war in ihren schwarzen Haaren und ihrem Gesicht sowie ihrer Kleidung getrocknet. Zusätzlich konnte man auch noch genug Dreck erkennen, welcher überall an ihr haftete. Es schien wohl nicht die angenehmste Reise für die verwöhnte Tochter gewesen zu sein. Eine der Soldatinnen erhob die Stimme und stellte sie als Lady Enid aus dem Haus McEntire vor. „Tretet von ihr zurück.“, sagte Maddison und deutete an, dass die Soldatinnen ein wenig wegtreten sollten. Bevor hier über irgendetwas weiter geredet werden musste, musste sich Maddison erstmal davon überzeugen wer sie war. „Hebe dein Haupt.“, befahl sie der Schwarzhaarigen. Die schwarzen Haare passten schon einmal. Auch sonst war noch nichts gewesen, was darauf hindeutete, dass die Person nicht aus Port Paravel stammte. Die Kleidung war ein Marineblau, zumindest war es das ziemlich sicher einmal so gewesen und sie trug Schmuck, welcher darauf hindeuten konnte, dass sie aus einem reichen Haus stammte. Aber sowas konnte in die Irre führen. Die Person welche vor ihr kniete, nicht aus Respekt sondern eher aus völliger Erschöpfung, erhob langsam ihr Haupt und blickte zumindest in ihre Richtung. Ob sie genug Kraft hatte um die Königin selbst in ihren Augen zu fokussieren wusste sie nicht, aber das war nicht wirklich von Bedeutung wenn man ehrlich war. Von der Ferne in der sie thronte konnte Maddison allerdings nicht genau überprüfen ob die Beschreibung des Gesichtes der adeligen Tochter mit dieser Frau hier übereinstimmte. Aber etwas was ihr sofort ins Auge sprang war die Tatsache, dass sie das Gesicht des Herzogs in ihr entdecken konnte. Nicht ganz so deutlich aber…

Das Bild vor den Augen der Blonden veränderte sich kurz. Nicht in der Realität, nein, ihre Gedanken trugen sie zurück zu einem Tag, an welchem sie noch nicht die Königskrone auf ihrem Haupte trug. Sie war noch jünger gewesen und als Prinzessin zu einem Besuch nach Port Paravel aufgebrochen gewesen. Ihre Mutter, die damalige Königin dachte, dass es gut für die Beziehung der beiden Länder war und dass es Maddison helfen würde ihre diplomatischen Fähigkeiten zu verbessen. Sie war 16 gewesen oder vielleicht auch erst 15, ganz so genau erinnerte sie sich nicht mehr wann es war, dass sie ihn das erste Mal gesehen hatte. Er stand neben einer Kutsche und mit einem kleinen Gefolge war er dafür verantwortlich gewesen sie vom Hafen abzuholen und ins Schloss zu bringen. Maddison war vom Schiff getreten und hatte ihren Blick über die Meute schweifen lassen. Meute war vielleicht doch nicht das richtige Wort. Heutzutage wäre diese wenige Anzahl an Menschen für eine Ankunft von ihr unangemessen, doch damals als sie noch nicht eine mal erste Thronerbin gewesen war, damals hatte sie noch nicht häufig so viele Menschen gesehen, wenn sie von einem Schiff stieg, also dachte sie, es wäre eine Art kleine Meute gewesen. Ihre Augen waren einen Augenblick länger auf dem kantigen Gesicht des jungen Mannes gehaftet als auf Gesichtern von anderen. Ein freundliches Lächeln hatte sich auf seinen Lippen ausgebreitet und seine Augen leuchteten. Damals war sein Gesicht noch so unschuldig gewesen, noch nicht von der Welt zerstört. Ihr eigenes Gesicht konnte sie sich Vorstellen war sicher auch um einiges freundlicher gewesen. Der Moment war ihr für immer in Erinnerung geblieben. Die blassen Lippen, das spitze Kinn, die Ohren, welche hinter seinem etwas längerem Haar versteckt waren und das warme Haselnussbraun in seinen Augen. Sie war so aufgeregt gewesen, aber als sie diese gute Energie von ihm spürte, fühlte sie sich irgendwie sicher.


Von wegen sicher. Das was dieser Mann getan hatte, war sie zu zerstören. Zumindest den Teil in ihr, welcher ihre Monarchie hinterfragt hatte. Der Teil, welcher sich immer gewundert hatte ob Männer wirklich so nutzlos waren wie immer gesagt wurde. Der Herzog hatte ihr inneres genommen, es zertreten und es noch zusätzlich zerrissen. Beinahe schon hatte sie erwartet erneut in diese Nussbraunen Augen zu starren. Maddison hätte genau das tun sollen sollte es sich um die Tochter des Herzoges handeln. Enid und seine andere Tochter haben diese Augenfarbe, sollte man den Beschreibungen ihrer Spione glauben. Und das tat sie. Aber die Augen in welche sie blickte waren nicht die, die sie erwartet hatte. Nein, das Augenpaar hatte Ähnlichkeit mit einem tiefen Blau, welches ihr schon länger nicht mehr in ihr Sichtfeld gekommen war. Es war als starrte sie in die Augen ihrer eigenen Mutter. Einer Person mit einem Herzen aus Eis gebaut genau wie ihr eigenes. Länger schon hatte die heutige Königin nicht mehr an dieser Person gedacht. Wie sie gnadenlos regierte so war sie auch mit ihren Kindern umgegangen, eine Eigenschaft welche Maddison im Laufe ihres Lebens mehr oder minder adaptiert hatte. Oftmals hatte sie sich schon gewundert, ob es eine Langzeiterscheinung des Regierens und all der Entscheidungen war. Aber eines war sicher, eine Hochstaplerin. So einfach war die Geschichte, welche sich vor ihr im Thronsaal abspielte. Die Blondine wollte sich gerade umdrehen um wieder zu ihren Thron zu schreiten, aber dann fiel ihr etwas ins Auge was sie sich in langer Zeit nicht erträumt hatte. Einen Fleck am Hals der unbekannt Frau, welches an einer Stelle saß, was ihre Ähnlichkeit mit dem Herzog erklären würde.

Vor 21 Jahren war es dann soweit gewesen. Ihre Wehen hatten eingesetzt und nach einigen Stunden an Schmerzen, Lärm und verschiedenen Leuten welche rumrannten hörte sie einen Schrei. Den ersten Laut, welches ein Kind machte sobald es in diese Welt gelassen wurde. Wie ironisch. Man kam mit einem Schrei, so als wüsste man schon, dass in dieser Welt nichts anderes als Schmerz, Verzweiflung und Kampf befand. Vielleicht weiß man bei der Geburt schon so viel mehr über das was kommen würde, es wird einem aber verwehrt darauf zugriff zu haben. Dieses Kind, dieses Kind würde allen Grund haben zu schreien. Dessen war sich Maddison sicher. Ein weiblicher Bastard in einem Land wie Port Paravel. Wie genau konnte sie mit sich selber vereinbaren. Sie hatte keine Wahl, dass wusste sie, aber wie konnte sie? Ihre Erstgeborene, am anderen Ende der Welt. Aber es war unmöglich sie zu behalten. Wenn sie auch nur im Geringsten so aussehen würde wie ihr Vater würde irgendjemand auf die Idee kommen wer der Vater dieses Kindes war. Die Hebamme wickelte das Kind in ein Tuch und brachte es zu ihr. Sicherlich war ihre Mutter irgendwo im Schloss und hatte schon alles dafür bereit, dieses Kind ohne gesehen zu werden auf ein Schiff brachte. Sie würde dieses zerbrechliche Wesen so lange halten wie sie konnte. Es noch eine Weile vor der Welt beschützen, vor allem was da draußen auf sie wartete. Sie würde mit ihr reden und für sie ein Lied singen, ihr einen Namen geben und dieses in den Brief einfügen, welchen sie schon vorbereitet hatte. Sie betrachtete das Kind für die wenigen Stunden, welche sie zusammen hatten. Erblickte ein sternförmiges Muttermal an ihrem Hals, streichelte ihr über den Kopf. Sie war das Schönste was Maddison jemals zu Gesicht kam. Das Reinste und Perfekteste was sie bis zu diesem Moment betrachten konnte. Für die wenigen Stunden die sie hatte, war Morgain Lilliyan Lupinthor das wichtigste in ihrem Universum. Und dann… dann war sie weg.

Maddison zeigte den Wachen an die zweit Soldaten, welche im hinteren Teil des Raumes wartete, nach draußen zu geleiten. Auch deutete sie ihnen an, dass sie draußen warten sollte. Und zwar ausnahmslos alle. Mit wenigen Schritten war sie näher an der jungen Frau und drehte ihren Kopf ein wenig, so dass sie das sehen konnte was sie musste. Der Fleck an ihrem Hals stellte sich als sternförmiges Muttermal heraus. Genau das sternförmige Muttermal, welches ihre Erstgeborene trug. Das Kind von ihr und dem Herzog von Port Paravel. Morgain Lilliyan Lupinthor McEntire. Ihre Tochter. Das was ihr kurz am liebsten war kam zu ihr zurück, wie ein Geschenk des Himmels. Nicht nur als Tochter sondern als eine der größten Waffen, welche man besitzen konnte. Genau zu dieser Zeit. Ihre Götter zeigten sich ihr wohl gnädig. Es schien als würden sie den Krieg gerade zu begrüßen. Wenn sie das wollten, war es genau das, was passieren würde. Sollen sie Tod und Verderben über Grandorien und ihr verdorbenes Volk bringen. Mit einem Lächeln kniete sie sich vor ihre Tochter und blickte ihr in die Augen. „Du bist nicht Enid McEntire.“, sagte sie freundlich. Ob sie wohl die Wahrheit vertragen würde, den genau diese würde sie nun erfahren. Maddison brauchte sie an ihrer Seite, sie brauchte sie und auch wenn man es ihre wahrscheinlich nicht glauben würde, sie liebte sie. Hatte sie immer aus der Ferne geliebt und auf sie aufgepasst. Heute würde sie eine Tochter hinzugewinnen und sollte diese nicht auf ihrer Seite stehen, würde sie Lupithoran nicht mehr verlassen. Denn so sehr sie sie liebte. Wenig nach ihrer Geburt wurde sie zur Königin gekörnt. Zur Beschützerin eines Landes dem sie Treue zugesprochen hatte. Nichts in der Welt würde sie davon abhalten das Beste für genau dieses zu tun. Nach einer kurzen Sprechpause fuhr sie fort. „Deine Name ist Morgain Lilliyan Lupinthor McEntire, Tochter des Herzoges von Port Paravel und Tochter der Königin von Lupithoran Maddison Lupinthor.“ Sie stand wieder auf und ging einen Schritt zurück. „Du bist nach Hause zurück gekehrt. Zu dem Ort an dem du geboren wurdest.“
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BeitragThema: Re: Das Treffen mit der Eiskönigin - 30. 05.    Di März 29, 2016 3:00 am

Die Königin ließ nicht lange mit einer Antwort warten. Ihre Stimme klang gebieterisch und stark. Sie war nicht zu vergleichen, mit der Stimme der Herzogin, die so viel weniger zu sagen hatte, als Maddison Lupinthor. Die Frau des Herzogs war nichts weiter als eine schön anzusehende Figur im Schatten ihres Mannes. Hier in diesem so kalten Land waren es die Männer, die in den Schatten ihrer Frauen lebten. Selbst so wenige Worte sagten schon viel über eine Person aus. Sie kennzeichnete unsere Persönlichkeit, den Umstand wie wir aufgewachsen waren. Hierzulande befehligten die Frauen über die Männer, deshalb brauchten sie eine Stimme, die genug Kraft innehatte, um diese Befehle verteilen zu können. Hier gab es nicht bloß eine Handvoll von Soldatinnen, hier gab es ein ganzes Heer von ihnen. Es war einschüchternd, sich direkt vor der obersten Befehlshaberin zu befinden. Morgain hatte nicht die Stimme einer Befehlshaberin, sie musste sich stets in den Schatten bewegen, unauffällig und ruhig. Ihre Stimme teilte keine Befehle aus, sie durfte diese nur heimlich kommentieren und dann verwenden, sobald sie dazu aufgefordert wurde.
Der Befehl der Eiskönigin wurde entgegen genommen und Morgain vernahm das Geräusch des Rasselns der Rüstungen. Die Soldatinnen entfernten sich von ihr, ohne es auch nur zu wagen, diesen Befehl zu hinterfragen. Genau genommen waren Soldaten nicht unähnlich den Frauen des Nordens. Mit dem kleinen Unterschied, dass Soldaten wenigstens die Freiheit hatten, ein Schwert zu schwingen und das Land zu verlassen. Eine Frau von diesen Ländern hingegen, hatte nicht mehr zu tun als Kinder zur Welt zu bringen und hübsch auszusehen. Sie musste den Männern dafür dankbar sein, ein Dach über dem Kopf zu haben, beschützt zu werden und diese wundervollen Knaben austragen zu dürfen, die wiederum die Zukunft ihrer Mütter wahrten.
Mit einem direkten Befehl an sich selbst hatte Morgain nicht so schnell gerechnet. Es war kein leichter Akt den Kopf in die Höhe zu richten. Es war so als hätte man ihn mit einem Stein getauscht und nur das Hirn darin gelassen. Nur dass Steine zusätzlich auch nicht pochen konnten. Trotz dieser kaum schaffbaren Aufforderung, konnte Morgain diesen direkten Befehl nicht verweigern. Die Stimme der Königin ließ es nicht zu. Sie klang als würde sie keine Verweigerung akzeptieren, als würde Morgain nichts Gutes erwarten, sollte sie ihrer Schwäche nachgeben und einfach hier und jetzt völlig zusammenbrechen. Zudem wollte sie sich dieser Schmach nicht hingeben. Sie war stets stark und unbezähmbar gewesen. Das hatte Morgain oft genug bewiesen. Warum also jetzt und hier, vor der Herrscherin des Landes, das sie immer sehen wollte und über das sie alles Mögliche gelesen hatte.
So richtete Morgain also ihren Kopf auf, das schmutzige, Blut verkrustete Gesicht nach oben gerichtet. Diese Haltung klärte nicht etwa ihre Sicht, nein, da waren lediglich Schemen zu erkennen. Immerhin war von Sekunde zu Sekunde mehr zu erkennen, bis es wieder umschwenkte, wie das Rad einer Mühle. Sie befand sich in einem Thronsaal, so viel war sicher. Selbst die Anwesenheit der unzähligen Wachen bemerkte die junge Frau, als wären sie plötzlich da gewesen. Weiter oben in ihrem Blickfeld befand sich der Thron, der bereits zu hoch oben war, um wirklich etwas Detailreicheres erkennen zu können. Eine Gestalt, ja, diese war zu sehen. Mit blondem Haar und einer Krone. Das Gesicht bestand nur aus Farben, die ineinander liefen. Morgain wusste was dieser Befehl bezweckte. Es war eine Inspizierung ihrer selbst, die ein negatives Ergebnis liefern würde. Es wäre möglich, dass die Königin die junge Frau lange genug am Leben lassen würde, um ihr mitteilen zu können, dass da doch Informationen in ihrem Kopf waren, die ihr dienen könnten. Grandorien nahm den Tod des Königs bestimmt nicht auf die leichte Schulter, doch würde Morgain ihre Tante und ihr Volk verraten? Pflicht und Ehre waren zwei Tugenden, die oft zum Tod und in die Ungewissheit führten.
Trotz der Kraftlosigkeit bemühte sich Morgain doch noch die letzten Zentimeter zu überbrücken, die ihr fehlten, um den Thron genauer in Augenschein nehmen zu können. Besser gesagt die blonde Königin. Es war einfach verdrießlich, dass sie nicht das Gesicht genauer in betrachten konnte. Diese erhabene Entfernung beabsichtigte eventuell die Schwierigkeit des Hochsehens. Lange würde Morgain nicht so ausharren können. Sie wusste auch nicht wie lange es ihre Pflicht war. Was waren überhaupt die Pflichten einer Gefangenen? Noch nie zuvor war sie überhaupt auch nur im Inneren eines Kerkers gewesen. Von außen hatte sie diese betrachtet, ja, doch eingesperrt hatte man sie noch nie. Die dunkelhaarige konnte sich nur denken, dass man die Befehle der Feinde ausführen musste, um zu überleben und ohne zu viele Schmerzen von Folter ertragen zu müssen. Denn an und für sich war es nicht ihre Pflicht die Befehle einer anderen Königin anzunehmen. Obwohl sie sich hier wiederum im Reich dieser Königin befand, weshalb sie sich auch an die dortigen Gesetze zu halten hatte. Weitere Aufforderungen seitens der Königin kamen lange nicht. Es war eher still im Saal. Nur die Rüstungen klapperten immer wieder. Es war den Soldaten nicht lange möglich, völlig ruhig zu stehen. Das wäre es ihr auch nicht, sollte sie so schwere Lasten am Körper tragen müssen. Die Last ihrer Verletzungen klapperte nun einmal nicht. Es zeigte sich nur durch ein Zittern, das durch den Körper strich. Das kannte Morgain noch von ihrem Schwertkampftraining, wenn sie zu lange geübt hatte, wodurch ihre Arme gezittert hatten. Auch zu lange Fußmärsche führten zu diesem Phänomen. Hier in Lupithoran kam auch noch die Kälte dazu, die durch die Glieder kroch. Ihr einst so prachtvolles Kleid war nur noch mit einem Fetzen zu vergleichen, der schlaff hinunter hing und an manchen Stellen Risse aufwies. Ihren Schmuck, den sie von Enid erhalten hatte, trug sie ebenso noch am Körper. Um den Hals trug sie eine Silberkette, die ein Amulett trug, das einen Saphir im Herzen hatte. Saphire wurden in Port Paravel gewonnen und wurden teuer verkauft. Auch ihr Armreifen bestand aus kleineren Stücken von Saphiren. Es waren kostbare Stücke, die Morgain wieder an Enid zurück geben hätte müssen. Sie hatte sich so gut auf dieser Hochzeitsfeier gefühlt, als sie dieses Kleid und den Schmuck getragen hatte. Sie war sich wunderschön vorgekommen, wie eine echte Lady. Ein Trugbild ihrer selbst, so hatten andere bestimmt gedacht. Jetzt war von diesem Glanz nichts mehr übrig. Das verschmutzte Kleid ließ nur noch erahnen, dass es einst blau gewesen war und der Schmuck war ebenso von einer Schicht überzogen, der ihm die Pracht stahl. Abnehmen würde man ihr den Schmuck wahrscheinlich erst, sobald sie offiziell verurteilt werden würde. Ein Urteil, das die Königin sprechen würde. In diesem Land gab es bestimmt ganz andere Methoden, Personen hinzurichten. Eine Möglichkeit wäre es, die Menschen an einem der eingefrorenen Bäume zu hängen und darauf zu warten, bis die Gliedmaßen schon von selbst abbrachen.
Die schemenhafte Figur, schien als würde sie sich abwenden wollen, was Morgain nicht gänzlich deuten konnte. Ihr Kopf sank wieder weiter hinab, auf ihre Hände, die fast olivgrün wirkten, dank der Blässe und des Drecks. Ein erneutes Klappern weckte erneut die Aufmerksamkeit der jungen Frau. Es war nun viel lauter als zuvor, da es alle Soldaten zu sein schienen, die nach draußen marschierten. Es waren zumindest einige Schemen, die an ihr vorbei klapperten. Genau konnte Morgain es nicht sagen. Etwas anderes forderte nun auch ihre Aufmerksamkeit. Die Schemen der Königin traten sehr aus der Masser heraus, weshalb sie leicht von den Soldaten zu unterscheiden war. Viele der Anwesenden hatten helles Haar, doch die meisten trugen kein Violett am Körper. Zumindest nicht solch einen langen Stoff, der den Boden streifte. Ihre eleganten Schritte kamen näher, schritten die wenigen Treppen des Podests hinab, bis sie vor ihr stand. Die Berührung der Königin fühlte kurz an wie ein Aufblitzen, das durch den Körper ging. Es war unerwartet, weshalb sie Morgain wohl kaum merklich erschreckt hatte. Ihre müden, blauen Augen visierten kurz die Königin an, die den Kopf der jungen Frau ein kleines Stück zur Seite bewegte, um etwas besser inspizieren zu können. Mit einem Mal wusste Morgain was der Königin so ins Auge gefallen war. Dieses offensichtliche Merkmal prangerte nicht am Hals von Enid. Jeder Spion hätte davon erzählt, da es einzigartig zu sein schien. Dieses zackige Muttermal würde Morgain nun verraten, obwohl sie es immer als besonders angesehen hatte. Etwas, was sie an ihr hübsch gefunden hatte, wurde nun zum Verhängnis. Die dunkelhaarige senkte wieder ihren Blick. Das Adrenalin, das plötzlich durch ihre Adern pumpte, ließ sie mehr sehen, als zuvor. Doch eine weitere unerwartete Bewegung der Königin ließ sie erneut die Königin anblicken, obwohl ein gesenkter, untertäniger Blick angesagter gewesen wäre, in der Gesellschaft einer Person mit Rang und Namen. Erwartet hätte Morgain, dass Königin Maddison die Wachen gerufen hätte, um sie abführen zu lassen, doch nicht dass sie sich vor ihr hinkniete und auf Augenhöhe war. Die ihren waren ebenso blau, wie es bei Morgain der Fall war. Sie unterschieden sich etwas, doch sie wirkten freundlich, als die Königin offen legte, dass sie Morgain keineswegs die Erbin Port Paravels war, zumindest die Auserkorene des Erbens dieses Landes. Würde sie ihr mit einem Lächeln einen wertvollen Dolch ins Herz rammen? Das wäre doch ein viel zu schneller Tod, so dachte sich zumindest Morgain. Die Miene der Königin ließ sie dennoch nicht an diese nächste Bewegung glauben. Jedoch kam sie nicht weiter mit ihrer Grübelei. Sie wurde durch die folgenden Worte der Königin unterbrochen. Zunächst war Morgain nur der Meinung gewesen, der Königin wäre ihre Identität bekannt gewesen, doch sie sprach weiter und es folgten nur noch Unklarheiten. Schon das Wort ,,Lupinthor‘‘, oder vielmehr ein Name, in Verbindung mit ihr selbst, löste nur noch ungläubige Stille aus. Morgain lauschte auch den folgenden Worten, dennoch entstand ein gewisses Rauschen in ihren Ohren und das Pochen in ihrem Kopf kehrte langsam wieder zurück, obwohl es vom Adrenalin zurück gedrängt worden war. Seit Morgain denken konnte, hatte sie sich nichts sehnlicher gewünscht, als die Identität ihrer Mutter in Erfahrung zu bringen, sie eines Tages sogar zu Gesicht zu bekommen. Sie war ihrem Vater oft auf die Nerven gefallen, selbst Enid, die ihr immer wieder aufs Neue versicherte, nichts zu wissen. Nie hatte Morgain auch nur eine brauchbare Antwort erhalten. Nur Gerüchte der Dienerschaft und niederträchtige Kommentare der Herzogin. Es hatte stets wie ein Geheimnis gewirkt, das Morgain im Laufe ihres Lebens lüften wollte. Als Kind war es besonders aufregend gewesen, als sie durch das Schloss geschlichen war, um Anhaltspunkte zu finden. Später, als sie älter geworden war, rückte es immer weiter in den Hintergrund, doch es war immer da gewesen, dieses Geheimnis um ihrer selbst. Die Frage, warum sie als einziger Bastard des Herzogs bei Hofe leben durfte, obwohl es so viele mehr geben soll. Und das war die Lösung? Königin Maddison Lupinthor von Lupithoran sollte ihre Mutter sein? Diese mächtige und so starke Frau? Kurz dachte Morgain darüber nach, ob sie in Wirklichkeit einem Fiebertraum beiwohnte und das alles hier nicht real war. Sie wollte doch immer so gerne in dieses Land reisen und dann sollte die Königin höchst selbst ihre Mutter sein? Sie hatte immer mit einer einfachen Magd gerechnet. Vielleicht nicht explizit aus Port Paravel, doch nie mit einer so hohen Persönlichkeit. Also wie könnte dies wahr sein? Sollte sie nicht träumen, erlaubte sich die Königin einfach einen bösen Scherz mit ihr? Brachte ihr diese Lüge etwas ein? Gleichzeitig würde es aber auch ihrem Ansehen schaden, doch die Soldaten hatte sie nach draußen geschickt, also könnte sie es zu einem Geheimnis machen und sie erwartete, dass Morgain ihr Vertrauen schenkte. Selbst der Abstand, den die Königin dank eines Schrittes zwischen ihnen aufbaute, trug nicht zur neu Orientierung der Gedanken der jungen Frau bei. Sie hatte das Gefühl als würde sie bald erneut die Ohnmacht ereilen, doch dieses Gedankenrattern hinderte sie wiederum auch daran. Eine zweischneidige Geschichte. Morgains blick folgte der blonden Königin. Auf ihrer eigenen Stirn bildeten sich Falten der Verwirrung und des nach wie vor vorhandenen Unglaubens, den sie bei einer Wahrheit irgendwie zu verlieren hatte. Wie sollte man glauben, die Tochter einer Königin dieses Landes und eines Herzogs eines anderen Landes zu sein. Sie sollte auf der steinernen Insel geboren worden sein, in dieser Festung?
,,Ihr…ich…‘‘ Immer wieder versuchte Morgain Worte zu fassen, doch sie fand keine passende Formulierung. Was sollte man der Königin auch entgegnen, wenn sie einem gerade eröffnet hatte, die lang ersehnte Mutter zu sein. Die Eiskönigin höchst selbst, die plötzlich nicht mehr so eisig wirkte. Es schien als würde sie die Wahrheit sprechen, doch eine Königin musste ebenso eine gute Heuchlerin sein, um ein Land zu regieren. Dann war da jedoch die Frage, ob es für sie überhaupt auszahlen würde, eine solche Lüge zu erzählen. Immerhin wusste sie nicht, wie viel Morgain über Port Paravel und Grandorien wusste.
,,Ihr müsst mich verwechseln, Eure Hoheit.‘‘ Das war die glorreiche Antwort, die Morgain von sich gab. Wissend, dass sie selbst die Tochter des Herzogs war und die Halbschwester von Enid und Kassandra. Also wie kam es dazu, dass sie solch einen Stuss von sich gab?
,,I-ich bin Morgain...a-aber...‘‘ revidierte sie ihre vorige Aussage und senkte den Blick, unwissend was sie sagen sollte, oder wie sie reagieren sollte. Selten war sie bisher in eine solche Situation der völligen Hilflosigkeit gekommen.
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BeitragThema: Re: Das Treffen mit der Eiskönigin - 30. 05.    Do Apr 07, 2016 11:17 am

Das was die Königin dem Bastard von Port Paravel eröffnet hatte war sicher schwer zu verdauen. Deswegen war sie auch nicht überrascht, dass die Braunhaarige erstmal nicht fähig war, etwas auf ihre Aussage zu antworten. Sie sah eher verwirrt aus und in ihrem Kopf gingen wohl verschiedene Gedanken ein und aus, welche sicher nicht sonderlich viel Sinn ergaben. Wie schnell konnte man denn Verdauen, die Tochter von 2 Herrschern aus 2 Ländern zu sein? Wie auch immer, sie würde ihr die Zeit geben, denn es war wichtig für Maddison als Königin, dass Morgain sich nicht von ihr abwandte und als Person selbst, war es für sie noch ein wenig wichtiger. Sollte ihre Erstgeborene sich entscheiden sich von ihr abzuwenden, bevor sie die Chance gehabt hätte sie wirklich kennen zu lernen, dass wäre ein Tiefschlag für die Blonde gewesen. Also stand sie ruhig vor ihr und wartete, wartete dass Morgain sich aus ihrer Starre löste und etwas sagen würde. Als das geschah schien der Schock über das erfahrene aber noch nicht vorüber zu sein, denn was aus ihrem Mund kam war eher unzusammenhängendes Stottern. Das was schließlich aus ihrem Mund kam, war das Maddison sie wohl mit jemanden verwechseln musste. Beinahe hätte sie gelacht. Zumindest dann, wenn ihr Herz nicht aus Eis bestehen würde und wenn Humor in dieser Situation angebracht gewesen wäre. Also nein, sie verzog nicht einmal das Gesicht. Das wäre nicht ihr Stil gewesen. Sie blickte einfach weiter auf Morgain und wartete darauf, dass sie etwas sagte das geistreicher war, damit sie sich sicher sein könnte, das ihre Tochter wieder aufnahmefähig war. Außerdem wurde sie nicht gerne eines Fehlers bezichtigt. Den etwas wie Fehler, dass machte sie nicht. Zumindest nicht, wenn keine menschlichen Komponenten betrachtet werden musste. Gefühle und Emotionen machten Pläne und Strategien Fehleranfälliger, aber in diesem Fall war es Fakt. Ihre Tochter hatte dieses Sternförmige Muttermal und sie kam aus Port Paravel und der Schmuck war genau der, für den das andere Land so bekannt war. Nein, in dieser Gleichung hatte sie nun wirklich keinen Fehler begangen. Also wartete sie noch ein paar Sekunden und sah, wie Morgain sich dazu entschied noch einmal das Wort zu ergreifen und zu berichtigen was sie vorher sagte. Natürlich passierte hier keine Verwechslung. Es war sicher eine Frage, welche Morgain ein Leben lang beschäftigt hatte. Wer war ihre Mutter und wieso hatte sie si nicht behalten. Das Leben am Königshof im Port Paravel war sicher kein schlechtes, aber trotzdem blieb die Frage, wieso ihre Mutter sie nicht wollte. Zumindest wäre es eine Frage, welche Maddison ihr Leben lang verfolgt hätte, wenn sie in der Situation der jungen Frau gewesen wäre. Und nun erhielt sie eine Antwort mit der sie sicher nicht gerechnet hatte. Natürlich war sie etwas ungläubig, aber es war nichts anderes als die Wahrheit.

Sie saß in ihrer Kammer an ihrem Schreibtisch und war gerade dabei die Bestrafungen der gefassten Revolutionäre durchzugehen, als jemand an ihrer Tür klopfte. Maddison bat die Person herein und im Türrahmen erschien die Botin, welche ihr ganzes Vertrauen besaß. Sie hielt einen Brief in der Hand. Einen Brief der niemals in die Hände eines Fremden gelangen durfte. Die Handschrift war von einer Angestellten im Hofe von Port Paravel. Emmaila hieß die Magd, welche auf ihren Befehl hin ihre Sachen gepackt hatte und in das andere Land gesiedelt war um ein wenig auf ihr Kind zu achten und Maddsion zu berichten, ob mit ihrem Kind alles in Ordnung war und wie sie sich entwickelte. Vor wenigen Monaten hatte sie den letzten Brief erhalten, in welchem sie erfahren hatte, dass es der Kleinen wohl gut ginge und sie sich gut entwickelte. Sie spielte gerne mit ihrer Schwester Enid McEntire und ihre Vater schien sich zumindest ein wenig um sie zu kümmern. Die Herzogin allerdings, sie würde wohl  niemals ein Verhältnis zu Morgain aufbauen wollen. Nicht, dass Maddison das nicht irgendwo verstehen konnte. Immerhin war Morgain ein Kind in dem das Blut zweier Herrscher floss. Das war etwas Besonderes und es beunruhigte die Herzogin, vor allem in den ersten Jahren sehr. Nun hielt sie erneut einen Brief der Magd in der Hand und schickte die Botin nach draußen um sich wieder um ihre eigenen Angelegenheiten zu kümmern. Die in violett gekleidete Person nahm ihren Brieföffnet und hatte auch schon schnell die schöne Handschrift ihrer Informantin zur Hand.

Geehrte und geliebte Königin Maddison,
es ist mir wie immer eine Ehre sie auf den neusten Stand des Lebens der jungen Morgain LIliyan McEntire zu bringen. Das junge Mädchen entwickelt sich prächtig. Sie ist offenen und höflich. Sie weiß sich bei Hofe zu benehmen und unterhalt weiterhin eine gute Beziehung zu ihrer Schwester Prinzessin Enid. Herzogin Catherine verkündete vor wenigen Tagen, das sie erneut ein Kind austrägt und in wenigen Monaten wird Port Paravel eine neue Prinzessin haben. Die Herzogin hat in einem Gespräch mit dem Herzog verlangt, dass er Morgain den Kontakt zu Prinzessin Enid und der noch nicht geborenen Prinzessin untersagt. Der Herzog verneinte dies und stellte klar, dass Morgain am Hofe bleiben würde und auch der Kontakt zu ihren Kindern wird bestehen bleiben, solange diese nicht selbst den Kontakt abbrechen wollen.


Der Brief war noch länger, aber in sie würde sich den Rest für später aufsparen. Zuerst musste sie sich um ihr Reich kümmern. Ihr Reich, welches von einer subtilen Revolutionsgruppe in Gefahr befand. Die Gruppe, welche auch ihren Vater dazu animiert hatte, ihrer Familie anzutun war er ihr angetan hatte. Niemand würde das je ihren Kindern antun. Niemand. Auch nicht Morgain.

„Nein, ich verwechsel dich nicht.“, sagte Maddison. „Du bist eine Tochter von Lupithoran. Genauso wie ich oder deine Halbgeschwister.“ Sie wartete auf eine Reaktion von Morgain, aber es kam nicht viel mehr, als auch schon zuvor. Deswegen entschied sich die Königin dafür, dass sie ihrer Tochter etwas Zeit geben würde zu verdauen wer sie war. Außerdem war sie sicher hungrig und zu einem Bad würde sie sicher auch nicht nein sagen. „Nimm dir ein wenig Zeit. Ich werde dir 2 Zofen zur Seite stellen, welch dir ein Bad vorbereiten und dir etwas zu essen bringen.“ Mit Morgain sprach sie in einem ruhigen, eher sanften Ton. Sie hatte 2 schwierige Wochen hinter sich und Maddison wollte nicht, das sie sich noch mehr überforderte. Mit weiterhin ruhigem Ton rief sie die Wachen herbei, welche im Weiteren 2 Zofen holten und sich dann darum kümmerte, dass Morgain alles bekam was sie wollte. Viel zu lange hatte ihre Tochter nicht den Luxus genießen können, den sie eigentlich verdient hätte. Sobald die Braunhaarige aus dem Thronsaal verschwunden war, ließ sie sich wieder auf ihrem Thron nieder und befahl den Wachen, sich wieder auf ihre Positionen zu begeben. Diszipliniert wie immer, passierte das in wenigen Sekunden. Die nächste Zeit würde sehr anstrengend werden, für sie, für Svetlana und für Morgain. Ein Krieg, ein verschwundener Sohn und eine zurückgekehrte Tochter. Auch wenn es so schien als würde sich alles ungünstig für sie entwickeln, so hatte sie mehrere Asse in ihrem Ärmel, als andere ihnen zutrauen würde. Port Paravel würde bald ein offenes Buch für sie sein, Elyrien hatte Verhandlungen zugestimmt in welchem die Voraussetzungen für ein Bündnis geklärt werden würden und Maurine konnte Grandorien von innen schwächen.

Vor etwas weniger als 3 Jahren setzte sich Maddison mit Svetlana in den Gemächern ihrer Tochter zusammen. Es gab etwas, was diese wissen musste. Viel zu wichtig war es, wenn man sich sie schleichende Unzufriedenheit der Männer des Landes ansah. Sie konnte nicht viel machen und wirklich, wer interessierte sich auch für sie, aber sie und diejenigen, welche rebellierten waren eine Gefahr. Eine große Gefahr für sie und die Stabilität von Lupithoran. Es war ja nicht nur ihr Land, welches solche Entwicklungen zeigte. Auch in Grandorien gab es wenige Revolutionsgruppen und auch in Port Paravel. Svetlana war eine starke Erbin des Thrones, aber solange sie keine Kinder hatte, war die Herrschaft in Gefahr. Im Moment gab es noch Maurine als weitere Erbin, aber wenn alles zu funktionieren würde, wie Maddison es sich erhoffte, würde diese den Prinzen von Grandorien ehelichen sobald sie volljährig war. Es gab keine weitere Erbin außer ihrer Erstgeborenen. Ihrer Bastardtochter. Es war ein sehr gut gehütetes Geheimnis, welches nur wenigen bekannte war. Aber sollte Svetlana nicht inthronisiert werden würde Maddison Vorkehrungen treffen, dass es stattdessen Morgain sein würde, insofern sie Eigenschaften zeigte, welche sie dazu befähigten. Und bisher hatte sie nur Gutes in diese Richtung erfahren. Also setzte sie sich mit ihrer Tochter zusammen und erzählte ihr wenig Detailreiche ihre Geschichte mit dem Herzog. „Du musst verstehen Svetlana. Dieses Geheimnis kann uns helfen das Land aufrecht zu erhalten sollte etwas Unvorhergesehenes passieren. Maurine wird Prinz Felicius heiraten und sollte dir etwas passieren brauchen wir jemanden aus unserer Familie, welcher die Krone nehmen kann und sie sich Entschlossen auf sein Haupt setzt.“ Und Morgain würde entschlossen sein, denn eines Tages würde sie nach Lupithoran kommen und die Wahrheit erfahren. „Wenn du Königin bist wirst du verstehen, dass solche Geheimnisse andere Herrscher aus dem Gleichgewicht bringen können. Im Krieg oder auch nur um die Revolution zu ersticken, sind kleine Informationen immer unabdingbar. Mit dem heutigen Tage möchte ich, dass du mehr Zeit im Thronsaal verbringst und Entscheidungen selbst triffst. Du wirst eine außergewöhnliche Herrscherin sein und deine Zeit beginnt jetzt.“ Der Tag an dem sie ihr die Wahrheit sagte, der Tag an dem Svetlana ihren Weg zur Herrscherin begann.

„Schickt mir die Soldaten wieder herein.“, gab sie den Befehl und eine Wache holte die zwei Soldaten, welche Maddison ihre Waffe gebracht hatten. Jetzt wo sich jemand um Morgain kümmerten gab es ein paar Dinge um die sie sich kümmern musste. Zuerst wusste sie nicht, ob sie die Soldaten belohnen sollte, dafür, dass sie ihr die junge Frau gebracht hatten oder ob sie sie bestrafen sollt, weil sie sie schlecht behandelt hatten. Sie würde das spontan entscheiden. Das was gerade angemessener erschien. Die beiden Soldaten knieten nun vor ihr und die Königin stellte ihnen ein paar Fragen. Zuerst wollte sie wissen, wo sie sich aufgefunden hatte, in welchem Zustand sie gewesen war und ob eine von den beiden die angebliche Enid McEntire verletzt hatte. Es schien allerdings, als hätten sie das nicht getan. Sie war wohl schon im schlechten Zustand, als sie sie aufgefunden hatten und sie sah so schlecht aus, welch sie sie während der Reise nur mit Essen versorgt hatten und sie ansonsten eingesperrt hatten. Sie hatten sie eingesperrt, aber wenn Maddison die zwei jetzt bestrafen würde, wäre das Geheimnis in Gefahr und deswegen ließ sie die beiden gehen ohne weiteres dazu zu sagen.

Stunden später, die Sonne würde bald untergehen, machte sie sich auf den Weg in die Gemächer in welchem sie Morgain unterbringen ließ. Es waren Gemächern in dem delegierte Gäste untergebracht waren, wenn den welche da waren. Jetzt bewohnte Morgain erst einmal diese. Sie war vielleicht ein Bastard, aber offiziell könnte man sie als Delegierte darstellen, welche somit das Recht hatte an diesem Ort zu leben. Sie klopfte an die Tür und wartete darauf, dass jemand ihr öffnen würde, was wenig später auch geschah. Maddison, gekleidet in eines ihrer unauffälligeren leichten Kleider mit zurechtgemachten Haaren, trat ein und versuchte die Braunhaarige im Raum ausfindig zu machen. Ihre Augen fanden sie und ein leichtes Lächeln stahl sich auf Maddisons Lippen. Die Haare waren streng nach hinten gekämmt und am Hinterkopf halb nach oben gesteckt. Sie hatte offenbar ein Bad genommen, denn man sah ihre etwas blasse Haut hervorstechen. Ihr Gesicht war ungeschminkt, aber auf ihrem Haar, halb ins Gesicht hängend wurde ein Kopfschmuck eingeflochten welche eine Mischung aus blau und violett zeigte. An ihrem Hals lag derselbe Schmuck, welcher auch vorher schon da gehangen hatte, gefolgt von einem violetten Stoff welcher sich an ihre Haut schmiegte. Das Kleid war lang und hatte eine Empire-Taille. Die Ärmel waren lang und schmiegten sich an ihr Handgelenk aus Auslauf. Gegen Boden veränderte sich der Stoff ein wenig, denn man konnte einen leichten Blaustich erkennen. Maddison trat einen Schritt auf sie zu und betrachtete Morgain. Ohne Dreck im Gesicht erkannte sie das Gesicht von ihrem Vater noch mehr. Durch die Blässe der Haut stachen die Augen etwas mehr hervor als zuvor. Diese Augen waren ein weitere Beweis dafür, dass sie hierher gehörte. Es schmerze Maddison, dass ihrer Erstgeborenen jedes ihrer Rechte genommen wurde, aber sie wusste zu wenig über sie, um sie über Svetlana zu stellen. Jetzt jedoch würde sie Morgain erstmal alles geben was sie nicht hatte. Respekt von allen, Luxus, gleichberechtigte Schwestern. In diesem Kleid, hatte sie das erst einmal den Gedanken, dass Morgain vielleicht geboren wurde um zu herrschen. Sie hatte Haltung, dass sah man. Ihr Rücken war durchgestreckt und sie stand gerade. Sie wusste auch was sie mit ihren Händen machen musste. Ihr Gesicht selbst sprach aber, dass sie noch immer genauso unsicher war, wie im Thronsaal vorhin. „Setzt dich bitte. Du bist immer noch verletzt.“ Maddison erkundigte sich auch bei einer Zofe, ob der Arzt schon da gewesen war und die bejahte das. „Wie geht es dir, mein Kind?“, fragte sie. Nicht unbedingt darauf anspielend, dass sie wirklich ihr Kind war, denn alle Kinder Lupithorans sprach sie ab und an als ihre Kinder an.
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BeitragThema: Re: Das Treffen mit der Eiskönigin - 30. 05.    Di Apr 12, 2016 1:01 am

,,Verzeiht.‘‘ stammelte Morgain sogleich, als sie erkannte, was sie der Königin Lupithorans an den Kopf geworfen hatte. Es war frivol, der Königin zu entgegnen, sie lege falsch. In ihrer Verfassung war es schwer an ihre höfische Erziehung zu denken. Die Königin erleichterte ihr das Denken auch keineswegs. Sie brachte Morgain ganz durcheinander. Ein geräderter Bastard, so hätten sie die Knaben der Lords aus Kindertagen wohl genannt. Dieses Wort traf ihr Befinden überdies sehr gut. Die verwirrte junge Frau hätte sich wohl nicht anders gefühlt, wäre lediglich ein Wagen über sie gefahren, anstatt des Schwertes, das ihr auf den Kopf gedonnert wurde. Es war ein wahres Wunder, dass die liebe Morgain noch annähernd bei Sinnen war. Nach zwei Wochen auf einem verdreckten Schiff, voller Ratten, mit Essensrationen, die nur dafür sorgten, dass sie zwar bereits das Licht am Ende des Tunnels sah, aber nicht hindurch treten konnte, um endlich das Ende zu finden. So hatte es sich für sie zumindest angefühlt. Die Königin erwartete hoffentlich keine intelligente, aufschlussreiche Rückmeldung von ihrer vermeintlichen, Bastard-Tochter. Morgain hätte vieles dafür gegeben, um ihr diese bieten zu können. Ihr Kopf fühlte sich jedoch einfach an wie eine Birne aus Port Paravel, auf die ein eiliger Soldat getreten war.
Das Stichwort ,,Halbgeschwister‘‘ ließ Morgain kurzzeitig in Gedanken verschwinden. Sollte all dies hier wahr sein, war sie bereits zwei ihrer Geschwister begegnet. Sie hatte doch immer angenommen, lediglich zwei Schwestern zu haben. Enid und Kassandra, zwei Mädchen, die alles von den Augen abgelesen bekommen hatten, neben denen sie nichts weiter als ein Dienstmädchen gewesen war. Jetzt sollte sie zwei weitere Schwestern haben, denen es im Leben noch nie an Etwas gefehlt hatte? Valentine, der arme Valentine. Er hatte ihr so leid getan, als man ihn in die Kerker gesteckt hatte. Da kam ihr, dass sich vor ihr die Mutter dieses jungen Mannes befand. Morgain hatte schon seit zwei Wochen keine Neuigkeiten mehr gehört. Sie verfügte nicht über die Kenntnis, wer für den Tod des Großvaters ihrer Cousins und Cousinen verantwortlich war. Maddison würde sie diese Frage nicht stellen. Es wäre eine wahrlich freche Frage, die sie einen einfachen Diener stellen konnte. Ob die Königin am Wohl ihres Sohnes interessiert war, wusste die junge Frau nicht. Sie hatte von diesem Land gehört, dass es den Männern hier schlechter erging, als den Frauen in den nördlicheren Ländern, abgesehen von Belugarien. So war es noch ein Rätsel, wie gut Valentine in der Gunst seiner Mutter stand. Morgain wusste auch nicht über seinen Verbleib Bescheid. Ihre Wissenslücke war sie groß, wie das weite Meer Arcanums, bezüglich der letzten Wochen. Es wurde Zeit, dass diese Lücken wieder aufgefüllt wurden. Sie ertrug Unwissen nicht, es war ihre einzige Waffe, die doch sehr mächtig war und die ihr zu diesem Zeitpunkt entglitt. Diese Situation offenbarte ihr, wie unwissend sie wirklich war. In all den Jahren war sie doch die Schatten geschlichen und hatte versucht all ihren Charme anzuwenden, als sie älter geworden war, doch gebracht hatte ihr das alles nichts. Das Mysterium um ihre Mutter war stets ungelüftet gewesen. Der Herzog, der all seinen Frust mit Wein wegspülte, war hart geblieben und hatte noch nicht einmal einen Anhaltspunkt verraten.
,,Ich danke Euch.‘‘ Drei Wörter, die weniger verwirrt klangen, als diese von zuvor. Das obwohl Morgain nicht einmal wusste, welche Anrede angebracht war. Es gab so viele Arten von Anreden und bisher hatte sie nie eine Herausforderung darin gesehen, die richtige zu verwenden. Bei ihrem Vater durfte sie zwar das ,,Hoheit‘‘ weglassen, doch ein ,,Du‘‘ hatte sich nie richtig angefühlt. Sie hatte nie eine liebevolle, vertrauliche Beziehung zu ihm aufgebaut, selbst wenn er sie im Geheimen vor jeglichen Angriffen geschützt hatte. Das war nie direkt in ihrer Gegenwart vorgekommen, weshalb sie sich nie bei ihm bedanken hat können. Er hatte aus ihr eine Zofe werden lassen, weshalb sich Morgain nach einer Zeit auch nicht mehr bei ihm bedanken wollte. Sie hatte es sich nie ansehen lassen, doch der Neid war ihr nicht fremd, so schlecht sie sich dafür auch fühlte. Hier sollten sich gleich zwei Zofen um sie kümmern. Womöglich wäre sie auch in Port Paravel so behandelt worden, sollte sie die Herzogin nicht zuvor den Befehl gegeben haben, Morgain in einen Graben zu werden. Sicherlich wäre man ihr nicht mit diesem freundlichen Ton begegnet. Sie wäre bestimmt gefragt worden, warum sie nicht an Enids Stelle sein konnte, das fragte sie sich ja selbst, zumindest bis Maddison ihr offenbart hatte, ihre Mutter zu sein. Solch eine Offenbarung stellte selbst Enid in den Schatten.
Eine kupferhaarige Frau und eine blonde, in weniger prunkvollen Kleidern, erschienen im Thronsaal und nahmen die Befehle der Königin entgegen. Sie halfen Morgain auf und stützten sie auf dem Weg nach draußen. Das Ziel der Zofen fühlte sich so ewig und ermüdend an. Sie führten die junge, verletzte Frau durch ein Labyrinth von Gängen. So wirkten sie zumindest auf den Gast. Immerhin war sie noch nie zuvor hier gewesen, oder vielleicht doch. Aber daran konnte sich Morgain beim besten Willen nicht mehr erinnern. Die Zofen blieben stumm, tauschten sich nur unter einander aus, stellten Morgain aber keinerlei Fragen. Angekommen in einem Gemach, das ihres zu sein schien, kam ihnen ein junger Mann mit einer Kanne entgegen und verkündete, dass das Bad bereits fertig sei. Das Mädchen aus Port Paravel war es nicht mehr gewohnt, dass man ihr beim Auskleiden half. Sie hätte es am liebsten eigenständig gemacht, doch so hätte sie wohl das Gleichgewicht verloren. Es war ihr dennoch unangenehm, entblößt vor fremden Menschen zu stehen, selbst wenn es Frauen waren. Ihre Zehe berührte zunächst die Wasseroberfläche. Es fühlte sich heiß an, doch je weiter sie eintauchte, desto angenehmer wurde es. Das Wasser duftete nach allen möglichen Kräutern und dieser Dampf machte ihre Atemwege frei. Die junge Frau atmete tief ein und aus, nahm den Geruch in sich auf. Selbst wenn sie nicht alleine war, wirkte das dessen ungeachtet sehr entspannend. Schon viel zu lange hatte sie kein Bad mehr genommen und sie spürte förmlich, wie der Dreck von ihr hinunter rann.
Nach dem Bad trocknete man sie ab und ein Kleid, das wohl ein anderer Diener gebracht hatte, lag bereit. Es war ein schönes Stück. Morgain wusste nicht von wem es stammte, da sie nichts weiter bei sich gehabt hatte, als das was sie am Körper getragen hatte. Die Zofen halfen Morgain lediglich in ein Unterkleid und führten sie zum violetten Himmelbett das sich im Hauptraum dieser Gemächer befand. Sie halfen ihr zusätzlich, sich hinzulegen und brachten ihr einen Teller mit einer Scheibe weißem Brot und Wurstaufschnitten. Sie aß so viel sie konnte, doch ihr Magen war geschrumpft, weshalb sie die Platte nicht völlig leeren konnte und so stellte sie den Rest auf das Tischchen, neben dem Bett. Ihre Augenlider schlossen sich ganz langsam doch da ließ der nächste Störfaktor nicht auf sich warten. Eine ältere Dame, mit grauem Haar und kleinen Augen, stand direkt neben ihrem Bett. Ihr Gesicht war von einigen Falten gezeichnet, doch sie wirkte recht freundlich. Die Frau stellte sich als Ärztin vor und sie forderte Morgain dazu auf, sich zur Seite zu drehen, damit sie die Wunde am Kopf inspizieren konnte, von der man ihr scheinbar berichtet hatte. Die Gelehrte tastete ihren Kopf ab und beschwor einen stechenden Schmerz herauf. Das im weg liegende, struppige, dunkelbraune Haar, versuchte die ältere Dame zu Seite zu legen. Morgain spürte, wie etwas Brennendes auf ihren Kopf tropfte. Sie zog scharf die Luft ein und ihr wurde erklärt, dass desinfizierend wirken soll und man die Wunde wohl nähen müsste. Morgain hatte sich wieder auf den Rücken zu drehen und sie inspizierte die Holzschachtel, voller Tinkturen und Gerätschaften, mit kritischem Blick. Die Ärztin reichte ihr ein Fläschchen, mit der Aufforderung es zu trinken. Einen Moment zögerte sie, doch sie dachte daran, dass sie wohl nichts zu verlieren hätte, wenn die Verletzung sonst schlimmer werden sollte. Als sie jeden Tropfen ausgetrunken hatte, wurde ihr ganz schwummrig zumute. Ihre Augenlider begannen nun wirklich zu flackern und schon war sie weg getreten.
Morgain wusste nicht wie lange sie nicht bei Bewusstsein gewesen war, doch als sie die Augen wieder aufriss tastete sie ihren Hinterkopf ab. Sie fand zwar nicht das was sie wollte, doch es befand sich etwas in ihrem Haar, das laut ihrer Meinung nicht hingehörte. Als sie aber an sich hinunter sah, entdeckte sie das Kleid von vorhin an ihr. Die Zofen mussten sie in ihrer Bewusstlosigkeit umgezogen haben. Eine unangenehme Vorstellung. Ächzend setzte sich Morgain auf und entdeckte die Ärztin, die am Kamin des Zimmers saß und auf ihre Patientin aufmerksam wurde. Die ältere Dame stand langsam auf und begab sich wieder an das Bett von Morgain. Sie verkündete ihr, dass die Wunde bald wieder gänzlich verheilt sein würde, sie jedoch im Bett zu verweilen hatte und nicht zu dem eigentlichen Abendessen gehen durfte, das hätte stattfinden sollen. Das erklärte warum die Zofen die junge Frau so herausgeputzt hatten. Sie waren wohl der Meinung gewesen, dass Morgain nicht so schlimm verletzt war und dass sie genauso gut der ganzen königlichen Familie hätte begegnen können, was die junge Frau schon alleine durch den Gedanken daran überforderte. Sie wollte am liebsten völlig alleine sein und sich im Bett, unter all diesen schön warmen Decken vergraben. Der Kamin spendete Wärme, doch es war noch immer viel kälter als in Port Paravel, oder in Glorienhall. Die Ärztin stellte ein Arzneimittel auf das Beistelltischchen, das ihr die Zofen alle paar Stunden verabreichen sollten, um die Schmerzen zu lindern. Zusätzlich legte sie eine Salbe dazu, die die Heilung der Wunde beschleunigen sollte. Eine Ringelblumensalbe, wie sie erklärte. Morgain fiel sofort ein, dass die beste Ringelblumensalbe wohl aus Grandorien stammte, was sie aber nicht laut erwähnte. Die Ärztin verschwand und meinte sie würde später wieder nach ihr sehen. Es war nur noch eine Zofe anwesend, die sich jedoch in einem anderen Raum dieser Gemächer befand, um Morgain etwas Privatsphäre zu gönnen, wie es schien. Sie war sehr erschöpft, doch etwas veranlasste sie, aufzustehen. Der Schmuck an ihrem Körper fühlte sich so schwer an, sie würde ihn dennoch dort lassen, wo er war. Schwankend stand Morgain da und blickte an sich hinab. Das Kleid war ganz bestimmt nicht ihr eigenes, doch es war seltsam. Der Stoff ging von Violett ins Blaue. Als sei es ein Zeichen für ihre Herkunft, die wohl wahrlich mit diesem Ort zu tun hatte. Die blonde Eiskönigin sollte ihre Mutter sein…das war noch immer schwer anzunehmen und doch sollte es so sein. Morgain ging zum Fenster. Schon immer wollte sie diese Landschaft erblicken und jetzt war sie dicht davor. Fast berührte ihre Nase schon das Fenster und sie musste staunen. Morgain hatte noch nie etwas Schöneres gesehen. Überall war Eis und Schnee. Selbst die Bäume waren bedeckt. Auf der Burgmauer befanden sich frierende Soldaten und blickte man über sie hinweg, konnte man auch nur Eis und Schnee erkennen. Eine weiße Pracht. Morgain kam nicht umhin als zu lächeln. Sie war endlich in Lupithoran und konnte endlich den Schnee sehen. Auf der Insel, worauf sich das Schloss befand, hatte es nie Schnee gegeben. Eine Schande, denn es war so wunderschön. Die Sonne stand bereits tief am Horizont und der Mond würde bald aufgehen. Er würde bestimmt mit der Landschaft verschmelzen, sie vollkommen machen und den Schnee zum Glänzen bringen, so hatte es zumindest in einem Buch gestanden. Wurden mit einem Schlag ihre zwei größten Träume erfüllt? Hatte sie wirklich ihre Mutter gefunden? An dem Ort, den sie immer schon aufsuchen wollte?
Eine Hand stützte sie am großen, bogenförmigen Fenster ab, um noch weiter hinaus zu blicken. Am liebsten hätte sie es geöffnet, jedoch würde es dem Raum die vorhandene Wärme entziehen. So beobachtete sie den Sonnenuntergang und vergaß auf ihre Schmerzen und ihre Erschöpfung. Ein Klopfen holte Morgain aus der Träumerei zurück und sie trat einen Schritt vom Fenster weg, während sie beobachtete, wie die Zofe mit dem kupferfarbenem Haar die Tür öffnete und einen tiefen Knicks vollführte. Morgain war sich sicher, dass sie in ihrem jetzigen Zustand zu Boden fallen würde, sollte das auch von ihr verlangt werden. Die blonde Königin sah nicht so einschüchternd aus, wie sich die junge Frau sie immer vorgestellt hatte. Sie traute sich kurzzeitig in die königlichen, blauen Augen zu blicken. Diese Augen, die sie selbst auch besaß, waren in Port Paravel nicht sehr häufig. Dort hatten die Leute dunkel, oder grüne Augen, wie ihre Tante Kjellra. Morgain versuchte noch andere Details zu finden, die ihr selbst glichen. Nie hatte einer bestritten, dass Morgain des Herzogs Tochter war. Sie hatte so viel von ihm geerbt, doch nicht alles. Ihre Augen waren nie die einer McEntire gewesen, auch die Form nicht. So hatte sie diese vielleicht von ihrer Mutter, oder von ihren Ahnen.
Die junge Frau gehorchte der Königin und setzte sich auf ihr Bett.
,,Um vieles besser, danke Euch.‘‘ antwortete Morgain. Es war nun nicht einmal eine Lüge. Es ging ihr zwar nicht blendend, doch das Bad, das Essen und die Versorgung ihrer Wunde sorgten allgemein für ein besseres Gefühl, als noch im Thronsaal. Die Tinktur übertunkte den Schmerz bisher sehr gut, auch wenn es sie etwas schwindlig werden ließ. Sie hoffte nur, dass es nicht ihre Sinne beeinträchtigte und sie sich vor der Königin unpassend verhalten würde. Morgain hätte so viele Fragen, aber die Königin hatte Fragen zu stellen, nicht die dunkelhaarige. Man hatte erst zu sprechen, wenn man gefragt wurde. Diese Regel ließ sie die Tinktur bisher zum Glück nicht vergessen. Die Nähte hatte Morgain bisher noch nicht ertastet, das würde sie wohl auch nicht wollen. Es wunderte sie, dass sie viel aktiver war, als man es denken könnte. Unter Umständen war diese Situation hier, daran schuld. Dass die Aufregung sie nicht natürlich reagieren ließ.
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BeitragThema: Re: Das Treffen mit der Eiskönigin - 30. 05.    Mi Nov 02, 2016 1:38 pm

Morgain beantwortet ihre Frage wie erhofft. Es ging ihr besser. Die Ärztin schien ihre Arbeit wie immer vorzüglich verrichtet zu haben. Die Wunde war natürlich noch nicht verheilt und die Strapazen der letzten Tage waren sicher noch in ihren Knochen, aber solang sie sich ein wenig besser fühlte, war alles gut. „Vortrefflich.“, gab sie von sich und schenkte ihrer Tochter ein professionelles und doch ehrliches Lächeln. „Was hat die Heilerin dir gesagt. Darfst du am Bankett teilnehmen oder musst du dich noch ausruhen?“, fragte sie nun. Es wäre wundervoll, wenn sie teilnehmen würde können. Zumindest Svetlana wusste, dass sie existierte und es konnte doch nichts Besseres geben, als ein Kennenlernen zweier Schwestern. Wenigstens hoffte die Königin dies.
Vladimir wusste nichts von ihrer Existenz und an ihren zweiten Sohn wollte sie gar nicht erst denken. Er hatte alles zerstört worauf Maddison hingearbeitet hatte. Sie würde erst wieder an ihn denken, wenn er hier vor dem Thron kniet und seine Schuld eingesteht und von seiner Mutter die gerechtfertigte Strafe für das was er getan hatte erhalten würde. Lebenslang auf die Gefängnisinsel mit den schlimmsten Verbrechen schien in gewisser Maßen passend zu sein und nach ein paar Jahren, soweit er noch am Leben war, würde er öffentlich hingerichtet werden. Und das wäre keine schöne Hinrichtung, aber es würde sein müssen. Immerhin war es Hochverrat was er begangen hatte, davor konnte sie ihn nicht retten, da es öffentlich bekannte war. Ihr Herz schmerzte ein wenig bei dem Gedanken daran ihren Sohn verbrannt und gefoltert zu sehen. Auch wenn er ein Mann war und schwächer und keine Ehre besaß, sie hatte ihn doch irgendwo geliebt. Ob sie ihm diese Liebe wohl noch entgegenbringen würde, wenn sie ihn wieder vor ihren Augen hatte? Zu ihrem Vater verband sie auch keine Liebesgefühle mehr, nur Hass, vielleicht war es bei Valentine nun genauso. Aber daran sollte die Königin nun nicht denken. Es war ein guter Tag. Sie hatte eine Tochter gefunden. Schade war, dass Maurine nicht hier war. Das Mädchen wusste zwar auch nichts von ihrer Existenz, aber sie wäre alt genug, dass die Blonde es ihr wohl mitgeteilt hätte an diesem Tag. Auch hatte sie bewiesen, wie sehr sie dieses Land liebte und wie sehr sie für die Sache Lupithoran einstand. Dafür hatte sie sogar diesen arroganten Prinzen geheiratet, Felicius. Soweit die Königin ihn die Woche beobachtet hatte, die er zu Gast war, war sie nicht begeistert von ihm gewesen. Jedoch konnte Maurine damit umgehen, sie war stark, wirklich stark. Ihr Geist war beinahe stärker als der von Svetlana. Nur ihre Älteste, die wusste, dass sie eine Bastardtochter geboren hatte. Eine Tochter die nun auf seht interessante Art und Weise zu ihr zurückkam. Genau zu diesem Zeitpunkt, dass musste etwas bedeuten. Gerade jetzt wo der Krieg losbrach. Port Paravel würde sich Grandorien anschließen, das war etwas was man nicht bezweifeln konnten, aber durch Morgain hätten sie einen Vorteil, den sie nicht verschwinden lassen konnten. Zuerst würde sie als offizielle Gefangene hier gehalten werden. Im Zeichen des guten Willens würde sie gut wohnen und nicht in einer Zelle sein. Zumindest würde die Nachricht so herausgehen, denn Maddison würde sie niemals einsperren. Dann würden sie einen Austausch vorschlagen sobald Port Paravel etwas in dem Wert hätte, dass sie austauschen könnte. Naja, so wie sie den Herzog kannte, würde es wohl eher so sein, dass Morgain einen Weg finden würde zu entkommen, da der Tausch wohl eher unwahrscheinlich war.
Aber auch das waren Dinge die für ihre Gedanken waren und um die sie sich ausnahmsweise wenige Minuten nicht scheren wollte. Die Blonde wollte ihre Tochter kennenlernen. Mehr als von den Briefen die sie gelesen hatte, sondern in Fleisch und Blut und von ihrer Stimme. Dem Bankett würde sie wohl nicht beiwohnen können. Die Heilerin hatte ihr wohl mitgeteilt, dass sie sich schonen musste. Der Schlag auf den Kopf schien wohl nicht ohne gewesen zu sein. Beruhigend zu wissen, dass ihre Soldaten effektiv zuschlagen konnten. Die Umstände waren nicht die optimalsten, aber wann bekam man schon immer alles was man wollte, so wie man es wollte. „An diesem Umstand kann man nichts ändern. Dann wirst du am Morgen beim Frühstück auf deine Halbgeschwister treffen. Svetlana Lupinthor, meine Erbin, weiß von dir. Vladimir und seine Familie wird hingegen denken, dass du als Druckmitte gegen Port Paravel hier verweilen wirst.“ Das war allerdings ein Gespräch für später. In ein paar Tagen wüsste sie, ob man ihr vertrauen konnte oder nicht und darauf würden dann die weiteren Schritte geplant werden und auch ob man Morgain in diese miteinbeziehen konnte. Die Königin hoffte sehr darauf. Es war ihr sehr wichtig, dass alle ihre Töchter an diesem Plan teilhatten und sich mit einbrachten um diesen Land und den Frauen das zu bringen, was sie verdienten. Grandorien und Port Paravel waren einfach barbarisch und mussten fallen. So einfach war das. Vor allem die Vinchesters. Sie mussten verschwinden. Und Maddison würde dafür sorgen, dass genau das passieren würde. Auch wenn es nicht mehr so gelingen würde, wie sie es wollte, gab es noch andere Mittel die sie wählen konnte. Das Bündnis mit Elyrien war der erste Schritt und dann gab es Krieg. Auch wenn sie einen direkten Kampf nicht gewissen würde. Information war Macht und sie hatte Zugriff dazu. Dann musst man nur noch eine schöne List und weitere Ausweichoptionen schmieden und schon war das Spiel entschieden.
„Ich bin mir sicher du hast einige Fragen. Wenn du möchtest kannst du sie stellen.“, änderte sie das Thema, nachdem sie die immer noch unsicheren Augen ihrer Tochter gesehen hatte. Wie sollte sie keine haben? Die Königin hatte dafür gesorgt, dass die Braunhaarige nie etwas über ihre Herkunft erfahren hatte. Da hatte sie sicher einige Geschichten erfunden und ihre Fantasie spielen lassen um die nicht vorhandenen Lücken zu füllen. Nun könnte sie das tun. Ob sie daran interessiert war, konnte sie nicht sagen. Das konnte Morgain nur selbst entscheiden. Aber bei ihrer Neugier, die der Blonden beschrieben wurde, sollte das kein Problem sein. Sie dachte kurz an die Briefe die in ihrem Schreibtisch lagen. All die Berichte, all die Worte und nun hatte sie ihren Weg hierher gefunden. Wollte sie überhaupt diesen Teil ihres Blutes annehmen oder nicht.
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